Der anhaltende Konflikt zwischen den USA und dem Iran, die dadurch verursachten Störungen des Schiffsverkehrs und der Anstieg der Weltmarktpreise für fossile Energieträger belasteten auch im dritten Quartal die Weltwirtschaft und die Börsen. An den Anleihemärkten kam es zu starken Kursverlusten. Der damit verbundene Anstieg der Kapitalmarktzinsen belastete die Aktienmärkte. Dort blieben aber die Perspektiven der Künstlichen Intelligenz (KI) wichtiger.
Konjunktur, Inflation und Leitzinsen
US-Präsident Trump erklärte die brüchige Waffenruhe im Krieg gegen den Iran für beendet und befahl neue Luftangriffe. Dann irritierte er mit der Ankündigung, Schutzgeld für die Durchfahrt von Schiffen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes zu verlangen: „Wir werden die Meerenge behalten, sie wahrscheinlich betreiben.“ Trump widersprach damit unter anderem seinem Außenminister Marco Rubio, der kurz zuvor an die Rechtslage erinnert hatte, wonach kein Land das Recht hat, für die Nutzung internationaler Gewässer Geld zu verlangen.
Schließlich weitete sich der Nahost-Krieg auch auf den Seeweg durch das Rote Meer aus. Mehrfach an den Märkten aufkommende Hoffnungen auf eine Befriedung wurden enttäuscht. Zwar kündigte die Trump-Regierung Anfang August wieder eine bevorstehende Verhandlungslösung im Iran-Krieg an. Dann lief die 60-Tage-Frist des Rahmenabkommens mit dem Iran ergebnislos ab und die Äußerungen Trumps zum Iran-Krieg entfernten sich weiter von der Realität. So drohte er dem bisherigen US-Verbündeten Oman mit einer massiven Bombardierung und kündigte an, die Straße von Hormus zu US-Territorium zu erklären. Neue Kampfhandlungen an der Straße von Hormus, auf der arabischen Halbinsel und am Roten Meer erinnerten die Märkte an die weiterhin ungelösten Probleme.
Der Handelskonflikt der USA mit Kanada blieb dagegen ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Weltkonjunktur und die Weltbörsen. Kanada lehnte Forderungen der Trump-Regierung ab, Kanada solle einen Großteil seiner wirtschaftlichen Souveränität an die USA abtreten. Auf neue US-Zölle von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Waren reagierte Kanada mit Gegenzöllen.
Die US-Notenbank Fed beließ ihre Leitzinsen zunächst unverändert. Die Rede des neuen US-Notenbankpräsidenten Kevin Warsh beim traditionellen Notenbankertreffen in Jackson Hole löste keine stärkeren Marktbewegungen aus. Dass sich der Fed-Chef dabei zur Bekämpfung der Inflation verpflichtete, bestärkte die Erwartung einer restriktiveren US-Geldpolitik, zumal auch Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten dafür sprachen. Im September erfolgte schließlich die erste US-Leitzinserhöhung seit Juli 2023. Die Bandbreite der Fund Rate wurde wie erwartet um ein Viertel Prozentpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Dass der Offen-Markt-Ausschuss der Fed diese Leitzinserhöhung einstimmig beschloss, wurde als Signal der Entschlossenheit gewertet. Im Ausblick signalisierten die Währungshüter, dass eine weitere Zinserhöhung vor Jahresende denkbar sei.
Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte wie erwartet zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte. Die Einlagefazilität, mit der Guthaben der Geschäftsbanken bei der EZB verzinst wird, stieg auf 2,5 Prozent. Auch das entsprach den vorherrschenden Erwartungen.
Anleihen, Währungen und Rohstoffe
Noch bevor die wichtigsten Notenbanken ihre Leitzinsen erhöhten, verschlechterte sich die Stimmung an den Anleihemärkten deutlich. Nachdem Rentenpapiere im Juni Kursgewinne verzeichnet hatten, folgten im dritten Quartal starke Kursverluste und damit verbunden ein deutlicher Anstieg der Renditen. Allein die Tatsache, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen zunächst unverändert belassen hatte, schürte die Sorgen, die Fed könne den Inflationsdruck durch den Krieg mit dem Iran und die steigenden Ölpreise möglicherweise nicht eindämmen.
Hinzu kam die Nachricht schneller als erwartet steigender US-Staatsschulden. Sie stiegen über die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Das US-Finanzministerium konnte mit einer Ausweitung seiner Anleiherückkäufe den Renditeanstieg der wegweisenden zehnjährigen US-Treasury-Bonds zunächst noch bei 4,75 Prozent bremsen. Dann scheiterte US-Finanzminister Scott Bessent mit dem Versuch, mit erhöhten Anleiherückkäufen den Anstieg der Anleihezinsen zurückzudrängen. Nachdem er den Märkten angeboten hatte, gegen ihn zu wetten, setzte sich der Ausverkauf bei US-Staatsanleihen beschleunigt fort und zog die Kurse anderer Staatspapiere weltweit mit nach unten.
In der Folge kletterten nicht nur in den USA die Renditen auf langjährige Höchststände. Auch in Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland müssen die Regierungen Anlegern deutlich höhere Zinsen zahlen. So kletterte die Rendite zehnjähriger US-Treasuries bis Ende September auf 5,29 Prozent, ein Anstieg um 87 Basispunkte gegenüber der Jahresmitte.
Die Rendite der vergleichbaren deutschen Bundesanleihe erhöhte sich auf 3,6 Prozent, was einen Anstieg um 68 Basispunkte bedeutet. Der Bund-Future, der die Kursentwicklung von deutschen Bundesanleihen an der Terminbörse beschreibt, verzeichnete für das dritte Quartal einen Verlust von 5,7 Prozent. Zehnjährige japanische Staatspapiere erreichten erstmals seit 1996 mehr als drei Prozent Rendite. Die Rendite des Bloomberg Global Aggregate Treasuries Index, eines Marktbarometers für globale Staatsanleihen, überschritt erstmals seit 2007 die Vier-Prozent-Marke.
An den Devisenmärkten konnte der US-Dollar, der im Juni vom Friedens-Rahmenabkommen mit dem Iran profitiert hatte, im Juli nicht weiter steigen. Der Wechselkurs des US-Dollars pendelte zum Euro zunächst recht eng um die Marke 1,14 USD/EUR. Gegenüber dem japanischen Yen setzte sich der Anstieg der US-Währung allerdings bis auf 164 Yen pro US-Dollar fort.
Darauf intervenierten die USA und Japan Ende Juli gemeinsam, um die Abwertung der japanischen Währung zu beenden. Binnen weniger Tage stabilisierte sich der Yen, blieb mit Wechselkursen zwischen 156 und 160 Yen aber zunächst in der Nähe der Rekordmarke von 164 Yen. In den ersten Septembertagen gelang dem Yen ein zweiter Erholungsschub, der allerdings in den letzten drei Wochen des Quartals größtenteils wieder verloren ging. Mit einem Wechselkurs von 157,3 Yen pro US-Dollar verblieb für den Berichtszeitraum nur eine Yen-Erholung um 3,2 Prozent.
Gegenüber den Euro zeigte sich der US-Dollar im August schwächer. Hatte der Wechselkurs im Juli noch um 1,14 Dollar pro Euro gependelt, mussten im August in der Spitze 1,17 Dollar für einen Euro gezahlt werden. Nachdem die US-Notenbank eine entschlossene Haltung im Kampf gegen die Inflation zeigte, gewann der US-Dollar wieder an Wert. Bis Ende September sank der Wechselkurs auf 1,133 USD/EUR, was gegenüber der Jahresmitte einen leichten Dollar-Anstieg um plus 0,8 Prozent bedeutet.
Nachdem sich die Stimmung bei Kryptowährungen bis zur Jahresmitte verschlechtert hatte, gab es im Juli zunächst eine Stabilisierung und anschließend eine Kurserholung. Digitalwährungen profitierten dabei von politischen Verlautbarungen und einem wieder zunehmenden Interesse von Investoren. Trump versprach, digitale Vermögenswerte zu stärken, unter anderem mit dem Krypto-Gesetz „Clarity Act“. Außerdem wolle er den Aufbau einer staatlichen Bitcoin-Reserve prüfen.
Der Bitcoin-Wechselkurs sprang Mitte August binnen weniger Tage um fast 25 Prozent von unter 65.000 auf rund 80.000 US-Dollar und beendete das Quartal mit einem Anstieg um 43 Prozent bei gut 83.700 US-Dollar, obwohl der Gesetzentwurf „Clarity Act“ im US-Kongress vorerst scheiterte. Der Anteil des Bitcoins am gemeinsamen Wert aller Kryptowährungen, die sogenannte Bitcoin Dominanz, änderte sich im dritten Quartal kaum und blieb in der Bandbreite von 58 bis 60,5 Prozent. Der Stimmungsumschwung erfasste also auch andere Kryptowährungen.
Nachdem sich die Rohstoffmärkte im zweiten Quartal mit Preisrückgängen beruhigt hatten, überwogen im dritten Quartal wieder steigende Preise. Der Bloomberg Commodity Index, in dem die fossilen Energieträger hohes Gewicht haben und der im zweiten Quartal um 8,9 Prozent gesunken war, beendete das dritte Quartal mit einem Plus von 15,1 Prozent. Vor allem bei Öl und Erdgas führte die Ausweitung des Krieges zwischen den USA und dem Iran auf den Süden der Arabischen Halbinsel und das Rote Meer zu höheren Notierungen. Nachdem der Preis für ein Barrel Öl im Juni von rund 100 auf 70 US-Dollar gefallen war, kehrte sich die Preisentwicklung im Juli um. Im September notierte der Ölpreis in der Nähe der Jahreshochs und damit unweit der Rekordhöhen aus dem Jahr 2022, die durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgelöst worden waren. Ein Preis von 97,90 US-Dollar pro Barrel bei der Sorte Brent Ende September bedeutet für den Berichtszeitraum einen Anstieg um 33,6 Prozent.
Vergleichsweise wenig veränderten sich die Edelmetallpreise. Nach einer Bodenbildung im Juli reagierten Edelmetalle im August positiv auf die Interventionen des US-Finanzministeriums an den Anleihemärkten. Dann aber belastete der starke Anstieg der Kapitalmarktzinsen die Edelmetalle, sodass der größere Teil des Preisanstiegs bis Ende September wieder verloren ging. Ein Goldpreis von 4.156 US-Dollar pro Unze am Ende des Quartals bedeutet schließlich in US-Dollar einen Anstieg um 3,7 Prozent. In Euro gerechnet fällt der Anstieg des Goldpreises aufgrund des etwas schwächeren Euros ein wenig höher aus: plus 5,1 Prozent auf 3.689 Euro pro Unze.
Der Kupferpreis setzte seinen übergeordneten Aufwärtstrend auf neue Rekordwerte fort: Bis August stieg der Preis für eine Tonne an den Terminbörsen erstmals auf über 14.500 US-Dollar und pendelte dann seitwärts. Für das Quartal errechnet sich mit 14.405 US-Dollar Ende September ein Anstieg um 7,7 Prozent.
Aktienmärkte
An den Aktienmärkten war weiterhin Künstliche Intelligenz (KI) das zentrale Thema. Zur Jahresmitte hatten zahlreiche Indizes neue Rekordhöhen erreicht oder sich diesen zumindest angenähert. Im Juli verschlechterte sich die Stimmung wieder. Die Börsen reagierten ernüchtert auf die immer wieder enttäuschten Ankündigungen einer Verhandlungslösung im Krieg der USA gegen den Iran. Nachdem im Juni der SpaceX-Börsengang gelungen war, folgten mehrere Wellen von Gewinnmitnahmen bei Technologie-Aktien, insbesondere Mikrochip-Herstellern. Der Speicherchiphersteller Micron veröffentlichte zwar sehr gute Geschäftszahlen und dem südkoreanischen Speicherchiphersteller SK hynix gelang der Börsengang an die Nasdaq, aber das im Juni erreichte Kursniveau konnten viele Aktien nicht mehr halten.
Bei Aktien der Mikrochip-Branche löste erwartete Konkurrenz aus China hohe Kursschwankungen aus. Bei Software-Aktien hielten die Sorgen um die möglichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) an. Bei einer Reihe von US-Technologieaktien aus der zweiten Reihe wurden die veröffentlichten Zahlen mit Enttäuschung und Kursverlusten aufgenommen. Auch der Elektroautohersteller Tesla enttäuschte mit seinen Geschäftsergebnissen die Erwartungen, worauf die Aktie auf den tiefsten Stand seit August des Vorjahres zurückfiel. Die guten Geschäftsergebnisse von Microsoft wurden als positives Signal für die Themen Künstliche Intelligenz und Cloud Computing gewertet.
Mit Spannung wurden schließlich wieder die Quartalsergebnisse von Nvidia erwartet. Der KI-Chip-Designer und einige große US-Softwarekonzerne übertrafen die Erwartungen, was Sorgen um ein mögliches Platzen einer KI-Blase und die Auswirkungen von KI auf die Software-Branche verringerte. Die Absage des für dieses Jahr erwarteten Börsengangs von OpenAI, dem Entwickler des populären KI-Modells ChatGPT, sorgte zwar bei einigen Aktien für höhere Kursschwankungen, erschütterte den Gesamtmarkt aber nicht. Auch Warnungen aus der KI-Branche vor einer zu schnellen Entwicklung der KI-Technologie und damit einhergehenden Sicherheitsbedenken sorgten phasenweise für Verunsicherung, lösten aber keine Trendwende an den Aktienmärkten aus.
Die Nvidia-Aktie blieb in der Nähe ihres Rekordkurses aus dem Mai, was einem Börsenwert von rund 5,3 Billionen US-Dollar entspricht. Die Aktie des Facebook-Betreibers Meta Platforms erholte sich im Laufe des Septembers deutlich und kehrte zu einem Börsenwert von etwa 2 Billionen US-Dollar zurück. Beide Aktien trugen damit dazu bei, dass der Nasdaq-100 im September sein altes Rekordhoch von Anfang Juni mit einem neuen Rekordwert von 30.770 Punkten knapp übertraf. Der Index beendete das Quartal schließlich bei 30.409 Zählern, was einen Anstieg um 2,5 Prozent bedeutet.
Der S&P-500-Index notierte Ende September bei 7.651,5 Zählern und damit 2,0 Prozent höher als zur Jahresmitte. Der weniger von Tech-Aktien geprägte Dow Jones Industrial Average hatte zwar im August ein neues Rekordhoch bei 54.744 Punkten markiert, beendete das Quartal aber mit einem Rückgang um 2,7 Prozent bei 50.906 Zählern.
Die europäischen Aktienmärkte konnten nur vorübergehend die relative Schwäche der Technologie-Aktien für eine Aufholbewegung gegenüber dem US-Aktienmarkt nutzen. Deutsche Aktien profitierten zu Beginn des zweiten Halbjahres von Reformbeschlüssen der Bundesregierung. Im August stieg der DAX auf sein neues Rekordhoch 26.619 Punkten, rutschte aber bis Ende September wieder auf nur 25.199 Zähler, womit für das dritte Quartal nur ein kleines Plus von 0,8 Prozent verblieb. Während der TecDAX den Berichtszeitraum mit einem Zuwachs um 3,8 Prozent auf 4.001 Indexzähler beendete, verlor der MDAX 3,9 Prozent auf 30.843 Punkte.
Der europäische Leitindex Euro-STOXX-50 kletterte bis August auf ein neues Rekordhoch bei 6.577 Zählern, verlor die Gewinne aber bis Ende September wieder und beendete das Quartal mit einem Rückgang um 0,9 Prozent bei 6.269 Punkten. Besser hielten sich die osteuropäischen Aktienmärkte gestützt auf eine bessere konjunkturelle Entwicklung beispielsweise in Polen. Der Osteuropa-Index CECE konnte anders als die westeuropäischen Aktienindizes im September das erreichte Rekordniveau verteidigen und beendete das Quartal mit einem Plus von 8,4 Prozent bei 3.755 Zählern.
Die asiatischen Aktienmärkte wurden vor allem von den stark schwankenden Aktienkursen der großen Chiphersteller bewegt, namentlich Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) und dem südkoreanischen Technologiekonzern Samsung Electronics. Beide Aktien hatten in der ersten Jahreshälfte gestützt auf den KI-Boom ein Kursrallye erlebt, worauf im Juli Gewinnmitnahmen folgten. Am südkoreanischen Aktienmarkt war diese Kurskorrektur so stark, dass der Leitindex KOSPI das Quartal trotz Stabilisierung im August und September mit einem Rückgang um 16,5 Prozent bei 7.081 Punkten beendete. Dem Taiwan Weighted Index (TWI) verhalf die ab September fortgesetzte Rekordjagd der Chip-Aktien aber zu einem positiven Quartalsergebnis: plus 3,9 Prozent auf 47.940 Zähler.
Auch der japanische Aktienmarkt konnte seinen Kursaufschwung aus den Vormonaten im Juli nicht fortsetzen. Der Nikkei-225-Index fiel von seinem Rekord bei 72.567 Punkten im Juni bis auf 61.293 Zähler im Juli zurück. Bis Ende September stabilisierte sich der Index bei 66.744 Punkten, was für das Quartal einen Rückgang um 4,7 Prozent bedeutet. Der für den Gesamtmarkt repräsentativere Topix-Index kann für den gleichen Zeitraum einen Anstieg um 2,9 Prozent auf 4.108,7 Zähler vorweisen. Auffällig war die jeweils gegenläufige Entwicklung des Hongkonger Aktienmarktes. Als im Juli die anderen Aktienmärkte stärker unter Druck gerieten, profitierte der Hang Seng Index von Umschichtungen, bis er im September rund die Hälfte dieser Erholungsbewegung wieder verlor. Für das Quartal verblieb ein Anstieg um 7,6 Prozent auf 24.613 Zähler.
Die Aktienkurse der Goldminenbetreiber pendelten mit dem Goldpreis auf und ab. Der FT Goldmines Branchenindex beendete den Berichtszeitraum mit einer Erholung um 14,4 Prozent.