Nach den starken Verwerfungen der Weltmärkte und Bör­sen im März infolge des Krieges von Israel und den USA gegen den Iran prägten im zweiten Quartal die Hoffnun­gen auf eine Befriedung der Region und eine Öffnung der Straße von Hormus das Marktgeschehen. An den Aktien­märkten profitierten vor allem die Hersteller von Mikro­chips vom KI-Boom.

Konjunktur, Inflation und Leitzinsen
Die Ausweitung des Iran-Krieges auf Öl- und Gasanlagen in der ersten Aprilhälfte und die Blockade der Straße von Hormus verstärkten die Krise auf dem globalen Energie­markt. Der Energiepreisschock störte das Wachstum der Weltwirtschaft empfindlich. Der Internationale Währungs­fonds IWF reduzierte seine Prognose für den Anstieg des Welt-Sozialproduktes in diesem Jahr von 3,3 auf 3,1 Pro­zent. Gleichzeitig mussten die Erwartungen an die Ent­wicklung der Inflation nahezu weltweit nach oben korrigiert werden.

Mehrfach machte zudem US-Präsident Trump nach Dro­hungen seine inzwischen sprichwörtlichen Rückzieher („Trump Always Chickens Out“, kurz TACO). Die mit Hoff­nungen auf ein Ende des Iran-Krieges erwartete Rede von US-Präsident Trump wurde von den Märkten als „Nullnum­mer“ bewertet. Positiv aufgenommen wurde dagegen die erklärte Absicht des Iran, die Straße von Hormus kontrol­liert zu öffnen. Zudem bekundeten beide Seiten ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer Verhandlungslösung.

Die Konjunkturdaten fielen hingegen durchwachsen aus. Insgesamt blieb die Stimmung in der Wirtschaft angesichts der gestörten Versorgung aus der Golf-Region aber er­staunlich gut. Die Einkaufsmanagerindizes, die als Frühin­dikator für die Konjunkturentwicklung gelten, verbesserten sich in allen wichtigen Regionen der Welt. Im Laufe des Quartals nahmen die Hoffnungen auf eine friedliche Been­digung des Krieges mit dem Iran weiter zu. Schließlich wurde ein Rahmenabkommen unterzeichnet, um eine Ver­handlungslösung zu finden.

Wie von den Märkten erwartet ließ die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen unverändert. Der Bankenausschuss des US-Senats bestätigte denkbar knapp mit 13 zu 11 Stim­men Präsident Trumps Kandidaten Kevin Warsh für die Nachfolge des scheidenden Fed-Präsidenten Jerome Hayden Powell. Zwischenzeitlich schürten dann die US-Arbeitsmarktdaten und die auf 4,2 Prozent gestiegene US-Inflationsrate Sorgen vor steigenden Zinsen. Trump irritier­te zudem mit der Aussage, die Zahlen seien großartig, er liebe die Inflation. Auch bei der ersten Sitzung des Offen­marktausschusses der US-Notenbank unter der Leitung des neuen Fed-Chefs Warsh wurden die Leitzinsen nicht verändert. Eine Leitzinsanhebung im weiteren Jahresver­lauf wurde aber durch die Äußerungen vorberei­tet. Damit wurden Befürchtungen entkräftet, die Fed könn­te sich unter Warsh politischem Druck von Präsident Trump beugen und die Leitzinsen senken.

Auch die Bank of England (BoE) beließ ihren Leitzins er­wartungsgemäß unverändert, obwohl die Inflation weiter­hin über dem Zielwert lag. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte dagegen als Reaktion auf die auch im Eu­roraum gestiegene Inflation ihre Leitzinssätze um jeweils 25 Basispunkte.

Anleihen, Währungen und Rohstoffe
Nachdem die Angriffe Israels und der USA auf den Iran auch an den Anleihemärkten zunächst stärkere Kursver­luste ausgelöst hatten, stabilisierte sich die Kursentwick­lung im April nur kurz. Die Ängste vor Inflation und mögli­chen Zinserhöhungen begründeten dann bis Mitte Mai weitere Kursverluste. Damit stiegen die Renditen der fest­verzinslichen Wertpapiere auf langjährige Höchststände. US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren ren­tierten in der Spitze mit 4,68 Prozent. Die Rendite 30-jähri­ger Anleihen kletterte sogar auf bis zu 5,2 Prozent. Mit der Hoffnung auf ein Ende des Krieges sanken die Renditen bis zur Jahresmitte auf 4,42 bzw. 4,90 Prozent.

Britische Staatsanleihen standen wegen der Regierungs­krise zusätzlich unter Druck und rentierten erstmals wieder mit mehr als 5,1 Prozent – der Höchstmarke aus Zeiten der Finanzkrise 2008. Zehnjährige deutsche Bundesanlei­hen erreichten mit 3,2 Prozent das höchste Niveau seit 15 Jahren. Danach sank ihre Rendite bis zur Jahresmitte auf 2,9 Prozent. Damit ergibt sich gegenüber dem Stand von Ende März sogar ein kleiner Kursanstieg: Der Bund-Fu­ture, der die Kursentwicklung von deutschen Bundesanlei­hen an der Terminbörse widerspiegelt, verzeichnete im zweiten Quartal einen Anstieg um 1,1 Prozent.

An den Devisenmärkten setzte mit den Hoffnungen auf ein rasches Ende des Krieges mit dem Iran zunächst eine Gegenbewegung ein. Der US-Dollar gab bis auf 0,84 Euro nach und erreichte damit wieder sein Vorkriegsniveau. Da­nach setzte sich schließlich die Erwartung durch, die US-Notenbank werde im weiteren Jahresverlauf ihre Leitzin­sen anheben müssen, was den Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber dem Euro und dem Yen erhalten würde. Der Euro verlor dadurch im zweiten Quartal 1,1 Prozent ge­genüber dem US-Dollar und notierte zum Quartalsende bei 1,142 US-Dollar je Euro. Gegenüber dem japanischen Yen gewann der US-Dollar im gleichen Zeitraum 2,5 Pro­zent.

Vor allem im April beschleunigte sich der Abwärtstrend der türkischen Lira. Weil die Türkei in hohem Umfang auf Öl- und Gas-Importe angewiesen ist, wirkten sich die stark ge­stiegenen Preise spürbar auf die Inflation aus. Die Inflati­onsrate konnte seit dem Hoch 2022 bei 72 Prozent in die Nähe der 30-Prozent-Marke gesenkt werden, stieg aber zuletzt wieder. Die Währungs- und Goldreserven des Lan­des schrumpfen. Gegenüber dem Euro und dem US-Dol­lar fiel die türkische Landeswährung auf neue Tiefststän­de.

Kryptowährungen erlebten weitere Verluste. Hoffnungen, der Bitcoin und andere Digitalwährungen könnten als Infla­tionsschutz oder Krisenwährung funktionieren, wurden enttäuscht. Auch die angestrebte Rolle als Zahlungsmittel wurde nicht erreicht. Die Zahl der aktiven Adressen im Bit­coin-Netzwerk, die Transaktionen tätigen oder empfangen, sank auf den bereits Ende 2021 erreichten Stand. Infolge von Zinserhöhungen der Notenbanken werden Kryptowäh­rungen zudem für Anleger unattraktiver, weil ihr Besitz in der Regel zinslos ist. Die Hoffnung, dass Unternehmen in großem Stil Bitcoin erwerben und langfristig halten wur­den, erfüllte sich ebenfalls nicht. Im Gegenteil: Strategy, das Unternehmen mit der weltweit größten Bitcoin-Positi­on, verkaufte einen kleinen Teil seines Bestandes.

Nachdem er Anfang Juni stärkere Verluste verzeichnet hatte, suchte der Bitcoin-Kurs um 60.000 US-Dollar herum einen Boden. Ein Wechselkurs von rund 58.500 US-Dollar am 30. Juni bedeute für das Quartal einen Rückgang um gut 14 Prozent gegenüber dem Dollar. Andere Kryptowäh­rungen verloren in den meisten Fällen noch mehr. Der An­teil des Bitcoins am gesamten Kurswert ausgegebener Kryptowährungen, die sogenannte Bitcoin-Dominanz, blieb stabil nahe 58 Prozent. Die zweitgrößte Kryptowäh­rung, Ether von Ethereum, hat einen Marktanteil von knapp 10 Prozent.

Nach den Preissprüngen im März aufgrund des Angriffs auf den Iran überwogen an den Rohstoffmärkten im zweiten Quartal Preisrückgänge. Zwar stieg der Ölpreis nach den ersten gescheiterten Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran wieder. Im Juni setzte sich aber mit Blick auf das amerikanisch-iranische Rah­menabkommen ein im Mai begonnener Abwärtstrend fort. Mitte des Jahres kostete ein Barrel Öl auf dem Weltmarkt rund 70 US-Dollar, je nach Ölsorte entspricht dies einem Rückgang gegenüber dem Stand von Ende März zwi­schen 25 und 30 Prozent.

Auch die Preise für Edelmetalle standen unter Druck. Län­der wie die Türkei und Russland mussten aufgrund ihrer dramatisch verschlechterten Außenhandelsbilanz einen Teil ihrer Goldreserven verkaufen. Zudem verlieren zinslo­se Edelmetalle in den Augen von Investoren Attrakti­vität, wenn das Zinsniveau steigt. Die Überlegung, dass die Edelmetallpreise von höherer Inflation profitieren, setz­te sich am Markt nicht durch. Der Goldpreis sank im zwei­ten Quartal um 14,4 Prozent auf 4.008 US-Dollar pro Unze bzw. um 13,3 Prozent auf 3.509 Euro. Der Silberpreis sank sogar um 22,6 Prozent auf 58,35 US-Dollar pro Unze. Vom Abwärtstrend abkoppeln konnten sich einige Industriemetalle, darunter Kupfer. Dessen Preis stieg im Drei-Monats-Vergleich an der Terminbörse um gut 8 Pro­zent auf 13.380 US-Dollar pro Tonne. Der Bloomberg Commodity Index, in dem die fossilen Energieträger hohes Gewicht haben, verlor im zweiten Quartal 8,9 Prozent.

Aktienmärkte
Vor dem Hintergrund des Krieges Israels und der USA mit dem Iran, der zur Sperrung der Straße von Hormus führte, rutschten nahezu alle Aktienmärkte im Laufe des April ge­genüber dem Jahresbeginn zunächst in die Verlustzone. In der Hoffnung auf eine Entspannung des Konfliktes er­holten sich die meisten Börsen rasch. Viele Aktienindizes stiegen schon im April über ihre Hochs vor Ausbruch des Krieges, darunter der globale MSCI World, der US-ameri­kanische S&P 500 und der japanische Nikkei 225.

Von der China-Reise des US-Präsidenten erhofften sich die Märkte Verbesserungen in Fragen der Zollpolitik und des Iran-Kriegs. Entsprechend enttäuscht reagierten die Aktienmärkte schließlich auf den nahezu ergebnislosen Gipfel. Die für die Weltwirtschaft wichtige Straße von Hor­mus blieb weitgehend blockiert.

Unterstützt wurde der Kursanstieg an den Aktienmärkten von der Berichtssaison, also der Veröffentlichung der Ge­schäftsergebnisse des ersten Quartals. In den USA über­trafen rund drei Viertel der Unternehmen die offiziellen Ge­winnerwartungen. Ein Übertreffen der durchschnittlichen Schätzungen ist zwar normal. Die Zahl der positiv überra­schenden Unternehmen lag diesmal aber höher als im his­torischen Durchschnitt. So konnten sie ihre Gewinne ge­genüber dem Vorjahresquartal nochmals deutlich steigern.

Bei Einzelaktien sorgten Überraschungen bei den Quar­talsergebnissen für stärkere Kursbewegungen. Ein Kurs­treiber blieb das Mega-Thema Künstliche Intelligenz (KI). Insbesondere die Aktien von Halbleiterherstellern erwie­sen sich als Zugpferde der Börsen. Der wertvollste Kon­zern der Welt, Chip-Designer Nvidia, meldete im ersten Quartal erneut kräftige Umsatz- und Gewinnzuwächse. Der Aktienkurs litt allerdings nach einem neuen Rekord­hoch Mitte Mai unter Gewinnmitnahmen. Umgekehrt hiel­ten die Sorgen um die Auswirkungen von Künstlicher Intel­ligenz auf die Software-Branche an, sodass Aktien dieser Branche – von wenigen Ausnahmen abgesehen – zu den Verlierern zählten. Die Meinungen darüber, wie schnell und wie tiefgreifend Softwareunternehmen ihre Geschäfts­modelle verändern müssen, gingen dabei weit auseinan­der.

Der Börsengang von SpaceX verlief erfolgreich. Der Kon­zern, in dem Elon Musk das Raumfahrt-, Satelliten- und das im Aufbau befindliche KI-Geschäft bündelt, erzielte mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar das bislang größte Börsendebüt der Geschichte. Nach anfäng­lichen Kursgewinnen fiel der Aktienkurs in die Nähe seines Ausgabepreises zurück. Auch bei anderen Technologieak­tien gab es vor allem im Juni Gewinnmitnahmen.

Trotzdem erreichten die wichtigen US-Aktienindizes sowie der MSCI World im Laufe des Quartals neue Rekordstän­de. Der Dow Jones setzte seinen Aufwärtstrend fort, über­traf seinen bisherigen Rekord aus dem Februar und been­dete das Quartal mit 52.319 Punkten auf einem neuen Höchststand. Für das zweite Quartal ergibt sich ein An­stieg von 12,9 Prozent. Der S&P 500, der schon im April auf neue Rekordwerte gestiegen war, kletterte bis Anfang Juni erstmals auf 7.620 Zähler und konnte diese Bestmar­ke bis zum Quartalsende nicht mehr überbieten. Ein Stand von 7.499 Punkten Mitte des Jahres bedeutet für den Be­richtszeitraum ein Plus von 14,9 Prozent. Auch der NAS­DAQ-100 konnte den Anfang Juni erreichten Rekordstand von 30.762 Zählern aufgrund von Gewinnmitnahmen bei Technologieaktien nicht mehr übertreffen, verzeichnete zum Quartalsende mit 30.276 Punkten jedoch ein Plus von 27,5 Prozent. Damit übertraf der Kursgewinn im zwei­ten Quartal die Verluste aus den ersten drei Monaten des Jahres um rund 20 Prozent.

Auch in Europa fielen die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals überwiegend gut aus, wenngleich das Gewinn­wachstum diesseits des Atlantiks niedriger als in den USA blieb. Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges äußerten sich zudem viele Unternehmen vorsichtig bis zurückhaltend zu den Aussichten für 2026. Dies ließ keine Euphorie auf­kommen. Zu den größeren Gewinnern gehörten auch in Europa Aktien aus der Halbleiterbranche, darunter der nie­derländische Halbleiterproduktionsanlagenbauer ASML und der deutsche Chiphersteller Infineon. Der EURO STOXX 50 stieg über sein altes Rekordhoch von Ende März. Der Indexstand von 6.328 Punkten zur Jahresmitte bedeutet für das zweite Quartal ein Plus von 13,6 Prozent. Der Deutsche Aktienindex DAX blieb dagegen in seiner Seitwärtsbewegung zwischen 24.000 und 25.500 Zählern. Diese hält bereits seit rund einem Jahr an. Gebremst wur­de der DAX weiterhin vom Schwergewicht SAP. Die Aktie des Softwarekonzerns rutschte wegen der anhaltenden Sorgen um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den tiefsten Wert seit 2023.

Im Fernen Osten konnten der japanische, südkoreanische und taiwanesische Aktienmarkt ihre Rekordjagd fortset­zen. Die traditionellen Indizes sind preisgewichtet oder ge­wichten einzelne Aktien sehr hoch, was im zurückliegen­den Quartal zu Indexanstiegen führte, die nicht repräsen­tativ für den gesamten Aktienmarkt mit einer Vielzahl von Aktien sind. Der Nikkei 225 markierte im Juni ein neues Rekordhoch bei 72.832 Punkten und beendete das Quar­tal bei 70.062 Zählern mit einem Plus von 37,2 Prozent. Der für den Gesamtmarkt repräsentativere TOPIX stieg im gleichen Zeitraum um 14,2 Prozent weniger als halb so stark.

Auch an den Börsen in Südkorea und Taiwan waren es vor allem die Aktien der Mikrochiphersteller, die für einen Höhenflug sorgten. Die Werte Samsung Electronics und TSMC haben in den dortigen Aktienindizes jeweils das höchste Gewicht. Sie verhalfen dem südkoreanischen Ak­tienindex KOSPI im zweiten Quartal zu einem Anstieg von 67,8 Prozent und dem Taiwan Weighted Index (TAIEX) zu einem Plus von 45,4 Prozent. Dem standen in Fernost Kursverluste an den chinesischen Börsen, in Malaysia und Indonesien gegenüber. So sank der Hang Seng Index in Hongkong im zweiten Quartal um 7,7 Prozent auf 22.881 Punkte und der indonesische IDX Composite der Börse in Jakarta sogar um 19,5 Prozent.

Die Aktienkurse der Goldminenbetreiber verloren mit dem Goldpreis an Wert. Der FT Goldmines Branchenindex be­endete den Berichtszeitraum mit einem Rückgang von 17 Prozent.